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Netzzeitung von Toni Lüdi

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Sprachwirrwar
Film

09.04.2005

Für den Szenenbildner gab es in der Vergangenheit in Deutschland keine filmspezifische akademische Ausbildungsmöglichkeit.

Die Mehrheit der auf dem weiten Gebiet des Film- und Fernsehszenenbildes tätigen Personen haben eine Hochschulausbildung als Architekt, Innenarchitekt, Bühnenbildner, Maler oder Kommunikationsdesigner. In die speziellen Aufgaben des Berufes eines Szenenbildners haben sie sich autodidak-tisch eingearbeitet. Dies mag eine der Ursachen für die Vielfalt der Bezeichnungen sein.

Die Szenenbildner mit Studienabschlüssen als Architekten oder Innenarchitekten, nen-nen sich bevorzugt Filmarchitekten, Szenenbildner mit dem Diplom einer Akademie im Fach Bühnenbild, nennen sich Bühnenbildner, Absolventen einer Fachhochschule auf dem Gebiet des Kommunikationsdesigns bezeichnen sich gerne als Designer. Kunst-maler, Autodidakten und andere wählen die Bezeichnungen Szenenbildner oder Ausstatter.

Im deutschen Sprachraum haben sich verschiedene Begriffe herausgebildet. Aus der Vorkriegszeit ist die Bezeichnung "Filmbildner" überliefert. In der DDR sprach man vom "Szenographen". Im russischen wird der Szenenbildner als der "Künstler" be-zeichnet. Heute wird vom "Bühnenbildner", "Filmarchitekt" oder "Szenenbildner" gesprochen. Ebenso üblich ist der Begriff "Ausstattung" oder der "Ausstatter", wie auch "Bau" oder "Bauten". In Angleichung an den internationalen Medienmarkt finden sich die Bezeichnungen "Art Director" und "Production Designer". Ganz neu der „Set Designer“. In Frankreich wird der SZENENBILDNER als "chef décorateur" be-zeichnet. In Italien ist der Begriff "scenografia" üblich, in Spanien nennen sich die Kollegen "Directores de Arte de Cine y Television".

In seinem Beitrag 1918 für die Zeitschrift „Der Film“ beschrieb der Architekt und Diplom Ing. F. Kaufmann die Tätigkeit des Szenenbildners und überschrieb seinen Text: „Das Szenenbild im Film“ mit der Unterzeile „Ein Beitrag zur künstlerischen Regie“. Seit damals ist zur Unterscheidung vom Bühnenbild der Begriff „Szenenbild“ eingeführt.

Die Bezeichnungen "Art Director" und "Production Designer" setzten sich als Folge der Internationalisierung weit über die englisch sprechenden Länder hinaus durch. Man kann sie in Italien und Jugoslawien, Frankreich und Griechenland finden. Auch auf deutschen Filmtiteln, sogenannten Credits, sind sie, auch bei rein deutschen Produkti-onen, verwendet worden.

William Buckland hatte bei INTOLERANCE und BIRTH OF A NATION den Titel: „Techncal Director“, der erste Oscar der im Szenenbild-, oder Designbereich vergeben wurde, wurde vergeben für „interior decoration“. William Cameron Menzies erhielt erstmals 1937 bei der Produktion "Gone with the Wind" die Bezeichnung "Production Designer". Er war der verantwortliche Leiter des Art Departments und hatte unter sich namhafte Art Directoren, die zuständig für einzelne Sets waren.




Fotos: Kollegen in Berlin. Anläßlich der Sommerakademie der Berliner Akademie der Künste kamen in Berlin zusammen: aus Hollywood Oscar-Preisträger Henry Bumstead, aus London Oscar Preisträger Robert Laing und Peter Lamont, aus Madrid Raphael Palmero und Felix Murcia, aus Warschau Oscar Preisträger Allan Starski, aus Rom Andrea Crisanti, aus Potsdam Alfred Hirschmeier, aus Berlin Jan Schlubach aus München Heidi und Toni Lüdi, aus New York der Verfasser des Buches „Designing Dreams“ Donald Albrecht und die Architektur Kritikerin . . . , aus Wien Helmuth Weihsmann der Verfasser des Buches „Gebaute Illusionen“. Der Tagung vorgestanden ist Peter Lilienthal. Bedauerlicherweise gab es nicht die Möglichkeit eines Katalog zur begleitenden Ausstellung.



Foto: Links, sorgenvoll mit Kamera Andrea Crisanti aus Rom, Mitte die drei Herrn mit Schnauzer, vorbe Allan Starski aus Warschau, Bob Laing aus London und Rafael Palmero aus Madrid; ganz Rechts: Peter Lamont aus London vor Henry Bumstead aus L.A.


Foto: auf dem Motorrad Jan Schlubach, umrahmt von Lena Bumstead, Bob Laing und Peter Lamont


Insofern sollte der Begriff "Production Designer" nur für den „Head of Departement“ verwendet werden, den Szenenbildner. Dort wo ein Verantwortlicher für das Szenenbild als Leiter der Abteilung auch für die Arbeit weiterer Szenenbildner / Filmarchitekten und die Koordination mit dem Regisseur, Kameramann und Kostümbildner vorhanden ist.

Norbert Grob und Manuela Reichart übersetzten "Production Design" mit: Ausstattung und "Art Director" mit: Bauten. Auch dies ist unbefriedigend, geht aber in die richtige Richtung. Es ist der Versuch der Tätigkeit des Art Directors als demjenigen dessen Arbeitsschwerpunkt bei der Werkplanung und der konstruktiven Bewältigung der bauli-chen Aufgaben liegt, gerecht zu werden. Besser als „Bauten“ wäre „Filmarchitekt“.

Der Begriff des Filmarchitekten ist für den Szenenbildner zu eng. Sicherlich schaffen Szenenbildner "Spiel- räume". Aber die Mittel reichen über die herkömmliche Architek-tur hinaus. Der Wind, wehendes Laub, zählen genau so zu den Mitteln des Szenenbildners, wie Nebel und Regen, Wasserpfützen und Schneereste. Ja, auch Requisi-ten oder Statisten, ein kaputter Chevy, eine Plastic-Bag-Lady mit ihrem kaputten Ein-kaufswagen können Teile des Szenenbildentwurfs sein.
Hieraus, aus der Patina der Zeit besteht die Poesie des Bildes. Deshalb sollte für die Tätigkeit des Production Designers der Begriff des Szenenbildners und für das Pro-duction Design der des Szenenbildes verwendet werden. Er, der Szenenbildner, ist für die Gesamtwirkung des Bildes verantwortlich, seine Aufgabe umfasst auch alle nicht architektonischen Teile des Bildes.

Das Szenenbild darf nicht zum Selbstzweck werden. Wie Kostüm, Filmmusik, Fotogra-fie oder Filmschnitt muß es sich ein- und unter die dramaturgischen Forderungen der Szene ordnen. Es muß dem gemeinsam hergestellten Werk dienen.

Festzuhalten ist, daß seit dem Wintersemester 1991/92 zwei Hochschulen zum Sze-nenbildner ausbilden. An der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam, Babels-berg und an der Fachhochschule Rosenheim, wurde der Unterricht im Ergänzungsstu-dium Szenografie 1991 aufgenommen. Der Studiengang nennt sich seit dem Umzug auf das Gelände der Bavaria Filmstudios und dem Anschluss an die HFF München, Aufbaustudiengang FFS Film- und FernsehSzenenbild , der HFF München.

Das Szenenbild hat zwei Väter, die Malerei und die Architektur. Schauspieler brauchen einen gestalteten Raum. Die räumliche Gestaltung muß sich ausschließlich danach richten wie ihre Form und Farbe im Lichtspiel des zweidimensionalen Filmbildes wirkt. Die Verbindung von Architektur und Malerei hat das Filmszenenbild immer beeinflusst. Durch die Filmgeschichte hindurch waren erfolgreiche Teams - sogenannte Art De-partments - oft bestimmt durch die Zusammenarbeit von Malern und Architekten.

Bei internationalen Filmen ist der Begriff "PRODUCTION DESIGN" für den Head of Department und "ART DIRECTOR" für den zweiten im Team angemessen. Man sollte daraus nicht Produktionsdesign, Produktionsentwurf, Production Director oder gar "Ausstattung" machen. Produktionsleitung, wie es auch schon übersetzt wurde, ist ein-deutig falsch.

Zuschreibungen. Anzuerkennen ist auch der kollektive Entwurfsprozess wie er in einem „Art Department“ abläuft. Zu einem gezeichneten Entwurf tragen unter Umständen viele verschiedene Anregungen bei. Immer ist der Entwurf dem „Head of Department“, also dem Szenenbildner zuzuschreiben. Wenn, wie es leider viel zu häufig der Fall ist, Ent-würfe einzelnen Mitgliedern des Teams zugeschrieben werden, so tut man dem ge-meinsamen Werk unrecht. In eine Zeichnung können großartige Ideen, vorhandene Bauteile, aus den Recherchen oder aus Skizzen und Vorentwürfen übernommene Teile aufgenommen werden.

Syd Meads berühmt gewordenen Entwürfe zu BLADE RUNNER sollten immer auch den Namen des Szenenbildners Lawrence G. Paull (Production Designer) tragen. Seine Idee auf dem Studiogelände vorhandene Architekturen in der verwendeten Art einzu-bringen, seine Idee die Versorgungen, alle Kabel und Leitungen nach außen zu legen, sichtbar, auf der Mauer wie alte Gedärme, seine Ideen der vorgestellten Schaufenster trug wesentlich zur Qualität der Entwürfe der Fassaden und Straßenzüge bei. Erst recht sollte ein Blatt nicht einem Bauzeichner - im englischen Team ein „Draughtsman“, im amerikanischen ein „Set Designer“ - zugeschrieben werden, wie es in Frankfurt bei der Ausstellung FILMARCHITEKTUR bedauerlicherweise gehandhabt wurde. Kein Re-zensent aus der Architektur käme auf den Gedanken einzelne Zeichnungen aus Renzo Pianos Büro allein den Zeichnern zuzuschreiben. Hoch anrechnen soll man den Sze-nenbildnern / Production Designern daß sehr häufig Zeichnungen und Pläne korrekt ausgezeichnet sind, mit dem Namen des Zeichners. Sie allein ihm zuzuschreiben ist aber falsch. Der verantwortliche Szenenbildner muss genannt werden. Ihm müssen alle Entwürfe in erster Linie zugeschrieben werden. Anzuerkennen ist, daß die Bau-zeichner, Set Designer und anderen Mitarbeiter im Zeichnungskopf genannt werden.

DP oder Director of Photography kann man mit Chefkameramann oder, da wir diesen Beruf so nicht kennen, mit Kameramann übersetzten. Bildgestaltung ist falsch. Zum Bild tragen noch andere bei, neben und vor den Kameramännern. Die Regisseure, die Schauspieler, die Kostümbildner, auch die Szenenbildner und Maskenbildner.

Ein großer Teil unserer Übersetzungsprobleme resultiert aus der sehr differenzierten Entwicklung der Berufe in den angelsächsischen Ländern und dem Stagnieren einer entsprechenden Entwicklung im deutschen, ich möchte fast sagen im europäischen Film. Es schein anderseits, daß die kommerziell erfolgreichen Filme aus Hong Kong und China eher der international üblichen angelsächsischen Teamstruktur folgen.

Wir kennen keinen Art Director, Set Designer, oder Set Decorator oder Set Dresser, keinen Illustration Artist, Draghtsman oder Storyboard Artist. Unsere Teams kennen im Bereich der Requisite keinen Property Master. Bei uns gibt es in der Regel nur zwei, den Szenenbildner und seinen Assistenten und den Außen- und den Innenrequisiteur. Das ist sowohl aus tarifrechtlichen Gründen als auch bezüglich einer beruflichen Per-spektive der Requisiteure nicht dienlich. Es schadet den Produktionen durch ein oft o-berflächlich gestaltetes Szenenbild.

Selbstverständlich kennen unsere Teams auch keinen "Ensémblier".

Der Begriff "Ausstatter" ist vom Sprachstamm her sicherlich dem "Set Decorator" oder dem "Ensemblier" am verwandtesten. Ein Beruf der bei uns oft vermisst wird. Es wäre dringend geboten diese Aufgabe und diese Funktion zu schaffen.

Der Begriff "Ausstatter" ist am Theater üblich geworden für den Bühnenbildner der auch die Kostüme mit entwirft und insofern die Gesamtausstattung der Bühne verantwortet. Hier macht dieser Begriff noch etwas Sinn. Die Bühne ist ein geschlossener Raum, die, wie auch ein Schaufenster "ausgestattet" wird.

Vom Sprachstamm her enthält der Begriff "Ausstattung" zu wenig eigenschöpferisch Gestaltendes. Ausstattung erinnert immer auch an "Herrenausstattung". Es drückt aus, daß ein fest umrissenes, ein Schaufenster, ein Herr, eine Bühne mit fertigen Teilen de-koriert wird. Da der Szenenbildner aber häufig im weiten offenen Land, auf der Straße oder im leeren Filmstudio ein Bild zu einem Film entwirft, passt dieser, heute leider so oft verwendete Begriff, auf unseren Beruf überhaupt nicht. Er sollte als Bezeichnung für die Tätigkeiten des Szenenbildners vermieden werden. Der Szenenbildner schafft auf Grund eigener Visionen die visuelle Interpretation der Drehbuchtexte und sucht, ent-wirft, baut und richtet ein die Bilder des Films.

Im Spätsommer 2002 diskutierten die Kollegen in der Britischen Filmdesigner Guilde gerade darüber, ob nicht doch den Draughtsman die Bezeichnung Set Designer zuge-standen werden sollte. So ist es in den Vereinigten Staaten üblich. Dass auch im ame-rikanischen Team, im Art Department, der Setdesigner nichts anderes macht, wie der Draughtsman im englischen, ist schon lange bekannt. Beide sind Bauzeichner, aller-dings mit zum Teil außergewöhnlichen zeichnerischen Talenten die einen einfachen Werkplan zum inspirierenden Blatt erheben. Weshalb sich aber Kollegen wie Ralf Schreck oder Christian Schäfer dann sogar auf dem Filmplakat als „Set Designer“ be-zeichnen bleibt schleierhaft. Sie sind die Szenbildner und der Filmarchitekt, so muss man vermuten.

Film und Fernsehwerke sind komplexe Produkte. Unsere Filmproduktion wird vom in-ternationalen Markt gezwungen werden wieder konkurrenzfähige, im internationalen Vergleich auch wirtschaftlich erfolgreiche Filme zu produzieren, oder wir werden auf lange Sicht keine Filme mehr herstellen.

Um erfolgreich produzieren zu können müssen die einzelnen Beiträge der verschiede-nen Künste auf ein gleichmäßig höheres Niveau gebracht werden. Das Konzept des "Autorenfilms" kann nur im Ausnahmefall, für geniale Schöpfer wie Rainer Werner Fassbinder und sein Team Erfolg versprechen. Eine Professionalisierung ist dringend notwendig. Dies setzt klare Begriffe und die Klärung von Zuständigkeiten voraus. Nur so finden wir Fundamente für eine wirtschaftlich und künstlerisch gesunde Filmproduk-tion.

Vorgeschlagen wird für den englischen Begriff „Production Designer“ die deutsche Ü-bersetzung „Szenenbildner“, für den „Art Director“ den „Filmarchitekten“ und für den „Set Decorator“ den „Ausstatter“ zu verwenden. Die Bezeichnungen beziehen sich auch deutlich auf die unterschiedlichen Tätigkeiten. Der Szenenbildner kümmert sich um den Gesamtlook, um das Gesicht, das Bild des Filmwerkes. Er ist „Head of Departement“ - Leiter der Abteilung. Der Filmarchitekt kümmert sich um einzelne Bauten und ihre archi-tektonische konstruktive Realisierung, der Ausstatter findet sein Aufgabengebiet in den Einrichtungen. Die Weiterentwicklung und Differenzierung der Berufe in den Art Depar-tements ausländischer Filme ist in den vergangenen 30 Jahren an der deutschen Pro-duktion vorbei gegangen. Es gibt in deutschen Produktionen nur rudimentäre Ansätze eines Filmentwurfs. Darunter leiden unsere Produktionen, sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Selbstverständlich benötigt ein Szenenbildteam nicht nur gut ausgebilde-tes und Film erfahrenes Personal sondern auch Räume, Zeichentische, Zeichengeräte, Fotoapparate, Kopierer und Computer. Ergänzen könnten man die Hard Ware noch durch Videokamera, Videorecorder und Videoprinter.


Die Klärung der Begriffe ist für unsere Filmproduktion und für ein klares Berufsbild wichtig. Wir müssen die weitere Differenzierung der Berufe fördern. Das heißt zualler-erst diese Berufe in die Gagenspiegel, Tarifstrukturen und Kalkulationsformulare auf-zunehmen. Was in diesen Papieren nicht vorgegeben ist, das gibt es nicht. Die an-spruchsvolle künstlerische und wirtschaftlich erfolgreiche Produktion braucht aber posi-tive Perspektiven. Wir brauchen klare Begriffe: insofern ist es notwendig aufzurufen diesen Sprachwirrwarr zu beenden.

Entschieden wende ich mich gegen den Begriff des „Bildgestalters“ für die Kamera-männer, die DoP (Director of Photography/Cinematographers). Zur Bildgestaltung tra-gen im Film viele bei, die Schauspieler, die Kostümbildner, die Maskenbildner und auch die Szenenbildner. In einem Gespräch mit Michael Ballhaus im Vorstand der Deut-schen Filmakademie hat er auch bestätigt, dass die Übersetzung des amerikanischen DoP mit „Bildgestaltung“ nicht korrekt ist. Seiner Meinung nach sollte er mit „Bildregie“ übersetzt werden.

Ich neige eher zum Fotografen. Die Fotografie ist eine angesehene Kunst und in vielen Ländern wird der Kameramann mit „Fotograf“ in den Titeln geführt.

Sprechen kann fast jeder, eine Rede schreiben, eine Rede halten schon nicht mehr je-der. Ein witziger Diskussionspartner ist nicht jeder, sowenig wie ein Poet oder Sänger. Vom Szenenbildner wird immer verlangt daß er alles ist: Künstler und Organisator, Dip-lomat und Handwerker, Zauberer mit geringen finanziellen Mitteln und technisches Ge-nie. Auch wir brauchen qualifizierte Mitarbeiter, wie brauchen „Art Departements“. Nicht unbedingt für unser Wohlleben, sicherlich aber für hochstehende professionelle Film-produktionen, für einen angemessenen Bildentwurf. Wie Ken Adam sagte: ohne Art Department geht es nicht !

Es wäre ja zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre! Und so blamabel. Da kommt der weltweit geschätzte Klassiker von Ernst Lubitsch neu auf DVD raus: wie wurde der Titel des Production Designers, eines wirklich bekannten Künstlers - Vincent Korda - über-setzt: mit Produktionsleiter. Ist das die Wahrheit! Der Art Director J. McMillan Johnson taucht in den Credits nicht auf, aber die Set Decoratorin Julia Heron, der wird die „Aus-stattung“ zugeschrieben. Das wäre ja korrekt, wenn Vincent Korda als Szenenbildner genannt wäre.

Warum erfinden wir immer neue englische Begriffe: Handy statt mobile oder Cellpho-ne? Es heißt richtig Editor und nicht Cutter ! Wem sage ich das ?

Seit 14 Jahren kämpft der Berufsverband der Szenenbildner und Filmarchitekten und Kostümbildner darum, dass der Begriff des „Production Designers“ entweder im engli-schen Original verwendet wird oder mit „Szenenbildner“ übersetzt wird, warum akzep-tiert das niemand? Wer wäre berufener?
Begriffe - Übersetzungsvorschläge
Art Department = Szenenbildabteilung

Production Design = Szenenbild
Production Designer (Head of Dept.) / PD = Szenenbildner / Szb
Costume Designer / CD = Kostümbildner / Kb
Supervising Art Director / SAD = Leitender Filmarchitekt / LFa
Art Director / AD = Filmarchitekt / Fa
Art Director on the set = Filmarchitekt am Set
Set Decorator (französisch = Ensémblier) / SD = Ausstatter /A

Visual Effect Designer = Visuelle Effekte Designer
Assistant Art Director = Assistierender Filmarchitekt
Ein Filmarchitekt der beruflich genügend Erfahrung hat um als Art Director
beschäftigt zu sein, der in dieser Produktion aber nur Teilbereiche bearbeitet.

Set Designer (amerikanisch) = Draughtsman (englisch) = Bauzeichner
Art Deptartment Coordinator = Szenenbild Büro und Organisation

Construction Foreman = Bühnenmeister
Scenic Artist = Bildhauer und / oder Kunstmaler
Illustration Artist oder Production Paintings = Illustrator
Storyboard = Storyboard
(Fritz Maurischats Bezeichnungen „Papierfilm“ oder
„Drehpapier“ konnten sich nicht durchsetzten)
Set Dresser = Mitarbeiter des Set Decorators
Art Department Assistent = Szenenbildassistent
Ein Filmarchitekt in den ersten Berufsjahren
Art Department Runner Volontär
Props (Properties) = Requisiten
Prop Master = Chefrequisiteur
Prop Buyer = Aussenrequisiteur
Stand By Propman = Innenrequisiteur

Im Übrigen. Der bei uns in der Regel mit seinem Spitznamen bezeichnete „Oscar“ heißt ei-gentlich Academy Award (AA), und wenn hinter einem Namen ein AAN steht, dann heißt das Academy Award Nomination.
Zitat " Die Aufgaben des Filmarchitekten gehen in ihrer Mannigfaltigkeit weit über den vom Begriff Architektur gezogenen Rahmen hinaus. Die Gestaltung der Au-ßenbauten und Innenräume, die Wiedergabe ihrer äußeren Erscheinungsform - denn nur diese ist für den Film wesentlich - erstreckt sich über alle Stilepochen eu-ropäischer und exotischer Völker. Zu dieser bunten Vielheit, die vom prähistori-schen, primitiven Bauversuch bis zur neuesten und letzten Sachlichkeit unserer Tage reicht, gesellen sich Aufgaben rein technischen Charakters, wie die Darstel-lung von Maschinen, Industrieanlagen oder Schiffsräumen. Mit der Wiedergabe von Außenmotiven verbindet sich meist die Andeutung eines landschaftlichen Hinter-grundes, und schließlich ist die Nachbildung rein landschaftlicher Motive eine nicht seltene Angelegenheit, besonders wenn uns die Handlung des Films in das Reich der Phantasie oder gar durch den Weltenraum auf fremde Gestirne wie Mars und Mond entführt. Im Hinblick auf solche Vielseitigkeit des Gestaltens sei ein Wort zu der Bezeichnung "Filmarchitekt" gestattet, das uns zu dem eigentlichen Thema hin-leitet.

Der Architekt im Sinne des Schöpfers konstruktiver Gebilde entwickelt meist aus der Anlage des Grundrisses heraus und von Erwägungen ausgehend, die aus Gebrauchsnotwendigkeiten resultieren, das Bild seines Bauwerkes, d.h. die Fassade, deren Gliederung und die Dimensionierung der Innenräume. Der Filmarchitekt ist an solchen Arbeitsgang nicht gebunden, sein Schaffen hat andere Voraussetzungen. Er sieht zuerst das Bild, und zwar wie es sich gestaltet aus den Elementen der Lichtbild-nerei, aus Hell und Dunkel, aus Licht und Schatten und aus Linie und Fläche. Hiermit berührt er das Gebiet des Malers; denn wenn er sein Bild gestalten will, so muß er vor allem die Gesetze der Bildkomposition in Anwendung bringen und deren Ausdrucks-mittel Linie und Fläche einbeziehen.

... Mit der architektonischen und bildhaften Gestaltung seines Motivs aufs engste ver-knüpft, besteht ein Haupfordernis für den Bildsteller: das Einfühlen in die vom Manu-skript geforderte Atmosphäre, die Notwendigkeit, seinen Szenerien jenen Ausdruck und jene Stimmung zu verleihen, wie es die Charakterisierung der mit dem Bau verbunde-nen Personen bedingt...." Zitat Karl Machus 1930 Ende.

Die Ziele der Filmarchitektur sind deutlich zu unterscheiden vom Hochbau. Die Archi-tektur dient im Film anderen, für den Film wichtigeren Zielen. Der Stimmung der Bilder, der Charakterisierung der Menschen. Dazu leistet die Architektur im Film einen Beitrag zur Bildgestaltung. Der Szenenbildner setzt Mittel ein, die über die Architektur hinaus-greifen: Regen und Schnee, Feuer und Wind sind ebenso Mittel zur Bildgestaltung, zur Schaffung von Stimmungen im Bild wie besondere Statisten, ein "Obdachloser" vor dem Hotel, eine "Gruppe Jugendlicher vor dem Kino" oder die richtigen Requisiten, die richtigen Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Wobei es dem Szenenbildner nie nur um ein Bild oder ein Motiv geht, sondern immer auch um die Sequenz, die Bildfolge und um das Gesicht des Films im Ganzen.

"Ohne Art Department geht es nicht, man kann ja nicht alles alleine machen. Der Anfang sind Skizzen oder ein Modell. Neben dem Production Designer gibt es den ersten Assisten-ten, den Art Director, dazu ein oder zwei technische Zeichner, die die Ideen in Konstrukti-onszeichnungen für die Bauabteilung umsetzten. Der Set Decorator wiederum schaut sich die Skizzen des Production Designers an und empfiehlt einmal moderne Möbel, dann wie-der Louis XIV oder viktorianische Sachen. Der Set Decorator wird benötigt die richtigen Möbel, Vorhänge oder Teppiche zu besorgen.
Die Konstruktionsabteilung gehört nicht direkt zum Art Department. Aber irgendwer muß die Entwürfe ausführen. Ich arbeite mit einem Construction Foreman (Bauleiter), der von meinem Department bezahlt wird. Er achtet darauf, daß die Konstruktion kostengünstig ausgeführt wird, genau den Vorstellungen des Art Departments entspricht und zudem auch funktioniert. Für das Art Department arbeiten außerdem Stukkateure, Tischler, Metallarbeiter, Spezialisten für Textilien. ... Das ganze ist wie ein großes Architekturbüro." Ken Adam (Aus „Production De-sign: Ken Adam Meisterwerke der Filmarchitektur“ S.44) Bedauerlicherweise wurden auch hier die Beg-riffe Setdocorator und Setdresser verwechselt!

Toni Lüdi


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