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Netzzeitung von Toni Lüdi
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Bildgestaltung - Lichtgestaltung Film
12.05.2005
Streit und Profilierungsversuche in den Tagen von Harzt IV. Lichtgestalter ? Natürlich geht es um Urheberrechte am Film!

Henry Bumsteads Entwurf (Kopie Toni Lüdi)
Vor kurzem habe ich ein Papier zum Urheberrecht des Lichtgestalters auf den Tisch bekommen. Da wird viel Philosophisches über Licht und Farben spekuliert. Das Ganze hat natürlich das Ziel Rechtsansprüche auf Beteiligung an Ausschüttungen im Filmbereich zu untermauern. Der Grund für diese Unternehmungen liegt in den seit Jahren sinkenden, oder auf jeden Fall nicht mehr steigenden Honoraren. Die Beleuchter suchen, wie andere auch, nach zusätzlichen Erlösquellen.
Das gibt mir jetzt die Möglichkeit einmal grundsätzlich mit der komplexen Materie Film und den verschiedenen Beiträgen zu Filmkunstwerk auseinander zu setzen. Von den Künsten ausgesehen.
In gewisser Weise nimmt der Film die klassischen Künste der Erzählung und Literatur (Drehbuch), Architektur und Malerei, Schauspiel und Kostüm (Szenenbild und Kostümbild) in sich auf. Diese werden ergänzt durch die Fotografie, den rhythmisierenden Schnitt und das ganze Spiel wird geleitet von einem Regisseur der sowohl Herz als auch Verstand des Kunstwerkes sein möchte. Manches Mal gelingt das auch, und dann entstehen große unvergessliche Filmwerke die ihr Publikum weltweit finden. Alle Beiträge stimmen im gemeinsamen Chor zusammen.
Vom Zuschauer aus betrachtet: er wird, besonders beim Blickfeld füllenden Kinofilm entführt und mitgenommen auf eine Reise in andere Welten, in die Vergangenheit und Zu-kunft, in spannende und deprimierende Situationen. Er vergisst sich selbst und lacht und weint mit den künstlichen Schattengestalten auf der Leinwand mit.
Die Hauptsache, der überwiegende Anteil in der Kommunikation mit dem Zuschauer kommt dem Bild, der visuellen Ebene zu, auch wenn die Technik heute faszinierende Toneffekte und ein großartiges Sounddesign ermöglichen.
Gerne werden alle Filmschaffenden den Schauspielern Anerkennung zollen, auch den großen Regisseuren, den Filmautoren. Nur, nicht jeder Regisseur ist auch ein Billy Wilder! Zurück zum Licht und zur Frage der Bildgestaltung. Seit einigen Jahren versuchen die Kameramänner den Titel Bildgestaltung zu usurpieren. Dies muss ebenso wie der Versuch der Lichtgestalter abgelehnt werden. Im Einzelfall mag es da Ausnahmen geben, in der Regel hat ein bildgewaltiger Film auch einen die Bilder beherrschenden und vordenkenden Szenenbildner.
Wenn ich solche Sätze lese wie: „Die optische Präsentation einer Veranstaltung dient in erster Linie dazu, den Handlungsablauf zu unterstützen, zu optimieren und emotional zu beeinflussen“ so stimmt das natürlich für alle Bemühungen aller Mitarbeiter im Film. Die entscheidende Frage ist, wo entstand der schöpferische Gedanke der das Bild formuliert hat.

Alexandre Trauners Entwurf zu CYRANO ( Alexandre Trauner – Decors de cinéma, Jade Flammarion)
Natürlich haben die Szenenbildner Trauner und Bumstead die Lichtstimmung mit ent-worfen. Jeder Szenenbildner gestaltet Lichtstimmungen durch die Auswahl des Drehor-tes und die Lage der Fenster im Studiobau, ebenso wie durch die Leuchten im Bild.
Falls nur Fackeln an der Wand oder Kerzenleuchter auf dem Tisch sind bestimmen diese den Charakter des Lichtes. Dem Kameramann obliegt die technische Ausführung und die kreative Umsetzung der einzelnen Takes. Üblicherweise ist der Beleuchter, auch der Oberbeleuchter Mitarbeiter im Team des Dop, des „directors of photography“, oder wie er in Deutsch heißt, des Kameramannes.
Wenn wir den Grundgedanken der Zuordnung aufrecht erhalten wollen, so entsteht der schöpferische Gedanke für die Musik beim Komponisten, das Bild der Räume und Einrichtungen inklusive der Stimmung und des Lichtes beim Szenenbildner, die Mimik und Gestik beim Schauspieler, das Kostümbild beim Kostümbildner, vorgeahnt und vorskizziert hat die Inszenierung, ja den ganzen Film der Regisseur. Auseinandersetzungen begleiten alle Künste, ja sie sind sogar notwendiger Teil der Entwicklung der Kunst.
Das Bestehende muss überwunden werden. So wurde den Naturalisten in der Malerei vorgehalten, sie würden ja nur vorhandene Landschaften oder Dinge im Stillleben abbilden und den Konstruktivisten, das sei ja keine Kunst und den Dadaisten, das könne des Besuchers Tochter besser. Auch heute noch taucht die Frage auf, was an einem Kostüm eine schöpferische Leistung sein solle, wenn die Schauspieler Konfektion tragen. Eben. Das Kostümbild ist mehr als das Kleid, es ist die Summe aller Kostüme im Film und die Korrespondenz und Abstimmung mit dem Szenenbild in das es sich einfügen muss. In diesem Sinne trägt auch das Kostümbild zur Bildgestaltung des Films bei.

Alexandre Trauner DAS APARTMENT. Selbstverständlich hat der Szenenbildner Trauner den Charakter der Lichtstimmung mit seinem Bau bestimmt. ( Alexandre Trauner – Decors de cinéma, Jade Flammarion)
Da sollte man auch an „Scenic artists“ denken, Die Maler und Bildhauer, und auch die Künstler am Rechner die alle zuarbeiten dem Szenenbildner. Soweit wollen wir nicht gehen. Das heißt aber eben auch, für diese Mitarbeiter müssen wir uns einsetzten und dafür streiten, dass sie angemessen gute Honorare erhalten. Das einzige Verfahren, das praktikabel und gerecht ist, ist die Entscheidung in die Hand der „Head of Departments“, der Leiter der verschiedenen Abteilungen zu legen. Sie können es am besten beurteilen und sie sind ja auch in einer gewissen Weise von ihren Mitarbeitern abhängig. Natürlich gibt es das in allen „Gewerken“. Beim Drehbuch haben oft mehrere zusammen gearbeitet, bei der Regie gibt es auch Teams, ich erinnere nur an Brustelin und Sinkel, bei der Kamera ist eine Second – Unit häufig und durchaus üb-lich, im Szenenbild haben wir es auch so gehalten. Den Dreh in Hamburg hat meine Frau, Heidi Lüdi betreut während ich die Vorbereitungen für den Studiodreh in der Bavaria leitete beim AMERIKANISCHEN FREUND. Wir haben uns auch die Ausschüttungen der VG Bild-Kunst geteilt.
Unter die typischerweise urheberrechtlich relevanten Beiträge zu Filmwerk zähle ich folgende: Drehbuch Regie Schauspiel Szenenbild Kostümbild Fotografie/Kamera Musik/Komposition/Sound Design Schnitt
Gerecht wäre eine Beurteilung nach zeitlichem Umfang, das ist aber in der Regel sehr verschieden, somit würde ich allen beteiligten Miturhebern den gleichen Satz X zusprechen und den „Häuptlingen“, den Regisseuren das Doppelte!
Also, der wesentliche Gestalter des visuellen Erscheinungsbildes eines Filmwerkes ist meiner Meinung nach der Szenenbildner! Er ist einer der ersten der anfängt und einer der letzten der nach dem Rückbau aufhört, er entwirft die Sets.
Lüdi 05/05 Streitfragen zu den Tagen von Harzt IV, Lü - 12.05.2005
Toni Lüdi
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