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PRIDE AND PREJUDICE / STOLZ UND VORURTEIL
Netzzeitung von Toni Lüdi
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PRIDE AND PREJUDICE / STOLZ UND VORURTEIL
Film

19.01.2006What a great film! Was für ein großartiger Film. Schon das erste Bild, der Blick in die englische Landschaft, unspektakulär. Blick in den Garten. Umwerfend. Wie ein Gemälde. Von impressionistischer Schönheit, wie fotografiert von Simone Nieweg.

Dann die Sets, die Szenenbilder. Starke Beispiele englischer Cottages, der Landhäuser. Das Milieu des kleinen Landadels mit viel Witz und Einfühlungsvermögen, fast karikiert.

Mit deutlicher Kontur gezeichnet. Die Patina, so überzeugend. Die Bälle. Tanzfeste, dicht und stimmungsvoll, bewegt und lebendig vor der Kamera. Die Stimmung greift fast auf den Zuschauer über, man beginnt sich mit den Damen zu freuen und mit den Herren zu schwitzen. Jede Geste sitzt. Jeder Blick lockt.

In der Filmgeschichte gibt es wenige Beispiele von Partys oder Festen die nahe an dieses Beispiel heran kommen. Nach einigem Nachdenken ist mir die italienische Hochzeit in New York im ersten DER PATE / GODFATHER eingefallen, dann noch Michael Ciminos Tanzfest in der Tenne in HEAVENS GATE. Das Leidenschaftliche der Immigranten, der einfachen Landarbeiter im Staub des Stroh und Heus. Dann noch, am Rande auch die Sause der deutschen Fluggäste in Romuald Karmakars MANILA. Man wollte nicht dazu gehören. Aber, inszeniert war diese Szene großartig. Wenig Regisseure können Festveranstaltungen so bewegt, vor der Kamera und mit der Kamera inszenieren.

Dann Sarah Greenwoods Szenenbilder für diese gregorianischen Tage auf dem Lande in Jane Austens Welt. PRIDE AND PREJUDICE / STOLZ UND VORURTEIL entführt uns in die lange vergangenen Tage des Landadels und ermöglicht uns das mit und nacherleben der Hoffnungen und Ängste der Menschen damals. Die Reise auf die mich dieser Film mit genommen hat, war köstlich, erfrischend und in bestem Sinne unterhaltsam. Jedes Detail, jedes Bild zum anhalten und sich drein verlieben. Das kann das europäische Kino, das können englische Art Departments und ein Regisseur wie Joe Wright.

Geht ins Kino, schaut Euch diesen Film an. Er hat alle Preise verdient.

Am Rande möchte ich auch noch unsern Cineasten einen deutschen Film ans Herz legen: DAS LEBEN DER ANDEREN. Sehr genau, sehr wichtig, sehr gut. Das Schicksal eines Stasioffiziers und eines Theaterautors in der DDR. Mit stimmungsvollen Szenenbildern von Silke Buhr. Farblich herausragend, sorgfältig in braungrau und grüngrau. Auch ansehen! Die beiden Ulrichs, Ulrich Tukur und Ulrich Mühe als Stasioffiziere, sehr glaubwürdig, sehr „echt“! Auch Thomas Thieme als Minister Hempf, wie ein Gott unter den Schauspielern. Wie er in seiner letzten Szene die Lippen spitzt und die Krawatte zu recht rückt, man möchte auf die Knie fallen. Das ist einfach großartig. Oder, soll ich besser sagen wie Gerd Fröbe. Ganz große Klasse. Also, unbedingt ansehen.

Soll ich noch was zu DON´T COME KOCKING SAGEN. Wenders Film ist getragen von einer großen Liebe zu den Menschen und den Orten. So offen wie das Land um Bute, so offen nähert er sich den Protagonisten. Wie wir ihm den Hinweis verdanken, dass wir an jeder Imbissbude einen Engel treffen können, so geht er auf jeden, und auch auf jede Rolle und jeden Charakter zu. Er ist eben ein Engel. Wir sollten diesen Film mit allen Preisen überhäufen. Bester Film: anyhow!


12. Januar. 2006 Lü

Toni Lüdi