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BEITRAG ZUM FILMBILD
Netzzeitung von Toni Lüdi
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BEITRAG ZUM FILMBILD
Film

12.03.2005Henry Bumstead berichtete 1991 auf der Sommerakademie der Akademie der Künste in Berlin von einer lange vergangenen Sitzung der Academy in Los Angeles. Auf dieser Sitzung ging es um die Frage des Beitrags zum Filmwerk und dabei zum Gewicht der beiden Beiträge des Szenenbildners( Art Directors) und des Kameramannes (Directors of photography).
Das ist ein gerade heute brennend aktuelles Thema.
Um den runden Tisch der Academy ging die Diskussion mit dem allgemeinen Tenor, wichtiger für die Gestalt der Bilder sein in vielen Fällen doch der Kameramann, bis das Wort an den Regisseur Bob Wise gerichtet wurde. Wise stimmte im großen Ganzen zu und sagte, “sicher, während des Drehs, sei der Kameramann der engste Partner des Regisseurs,“ doch gab er zu bedenken “dass, der Szenenbildner viel früher die Arbeit aufnahm, die Drehorte suchte, die Bauten und Adaptionen entwarf, die Farben bestimmte, die Einrichtungen und Requisiten besorgte und bis nach Drehende die Arbeiten betreute.“ Seiner Meinung nach sei der Szenenbildner doch näher am „Werk“ und sein Beitrag sei deshalb für die Gestalt des Filmes der gewichtigere. Bumstead schloss: „I could have kissed him“.

Heute ist es so, dass auf der Berlinale 2004 eine Podiumsdiskussion zu HERR DER RINGE mit dem Kameramann Andew Lesnie. Lesnie berichtete viele lehrreiche und interessante Dinge aus der Produktion. Unter anderem er habe drei Monate vor Drehbeginn die Arbeit an diesem Film aufgenommen. Interessant war, dass der Regisseur zu diesem Zeitpunkt schon ein vollständig animiertes Videoband des geplanten Spielfilm hatte. Dieses „previsualisierte“ Band kam aus dem Art Department. Unter der Leitung von Grant Major hatten dort schon ein ganzes Jahr Künstler an Storyboards und Computern an diesem Animatic gearbeitet. Der Szenenbildner Grant Major wurde für seine Arbeit an diesen Filmen zweimal zum Academy Award (Oscar) nominiert und hat den ihn einmal gewonnen.

Für uns Szenenbildner ist es nicht nur aus künstlerischem Ehrgeiz sondern auch aus pekuniären Gründen wichtig und interessant, dass die Sicht auf die Beiträge der Szenenbildner sich wieder etwas mehr der wirklichen Bedeutung dieses Beitrags in der Praxis annähert. Es gibt überhaupt keinen Grund warum die Szenenbildner nicht den Kameramännern ähnliche Honorare erhalten sollten. So war es bis vor noch gar nicht so langer Zeit.

Die künstlerischen Möglichkeiten der Kamera (die Fotografie) sind durch die Technik begrenzt. Die Schienen und der Schwenkarm begrenzen die Bewegungsmöglichkeiten, die Optiken begrenzen die Abbildungsmöglichkeiten, die am Set vorhandenen Lampen und Folien begrenzen die Möglichkeiten der Ausleuchtung. Ohne technische Geräte ich die Fotografie aufgeschmissen.
Dem Szenenbild steht die grenzenlose Vielfalt der dinglichen Welt, alle Objekte und alle Möbel, alle Muster und alle Farben zur Verfügung. Der Szenenbildner leistet, mit seinem Team, seine Arbeit in hohem Masse unabhängig von den Meinungen und Beiträgen der anderen Mitglieder des kreativen Teams.

Wenn es denn nicht bloße Requisite ist, wenn es ein gestaltetes Bild vor der Kamera für die Szenen des Drehbuches gibt so ist der künstlerische Beitrag des Szenenbildners mindesten dem des Fotografen gleich zu stellen.

Prof. Lüdi 12. 3. 2005

Toni Lüdi